Da es eine Vielzahl von Vögeln gibt, die als Haustiere gehalten werden und sich sowohl in der Größe als auch der Lebensdauer unterscheiden, ist diese Übersicht begrenzt. Es gibt dazu eine Vielzahl von Bestimmungen, durch welche die Haltung von Vögeln streng reguliert ist und entsprechende Mindestanforderungen festgelegt werden. Von daher gilt es, sich vor dem Kauf jeder Vogelart gründlich über die jeweiligen artgerechten Haltungsbedingungen zu informieren.

Pfote Tierschutzverein Dresden  Haltungsbedingungen

Was muss bei der Umgebung und dem Umfeld für mein Tier beachtet werden?

  • Mindestkäfiggröße für jede Vogelart von der TVT festgelegt – je größer, desto besser
  • am artgerechtesten sind große Zimmervolieren
  • ruhiger, zugluftfreier Ort, an schützender Zimmerwand oder -ecke – keinesfalls in Küche (Dämpfe von beschichteten Pfannen sind hochgiftig für Vögel)
  • Käfige und Volieren aus unbeschichtetem Material, z.B. Edelstahl – (knabbern gern an Gitterstäben -> sonst Vergiftungsgefahr), keine spitze Ecken und Kanten
  • Volieren-Einrichtung aus Naturholz-Sitzstangen, Seilen, unterschiedlich dicken Ästen von Obst- oder Nussbäumen, Schaukeln, Kletter- und Knabberspielzeugen aus unbehandeltem Holz, Fress- und Trinkbehältern aus Edelstahl sowie einem geeigneten Badehäuschen
  • Vögel in Käfighaltung mehrmals täglich Freiflug in gesicherten Freiflugräume, z.B. Fenster schließen, keine giftigen Pflanzen , kein Zigaretten- oder Duftkegelrauch, keine offenen Ventilatoren
  • regelmäßige Käfig- bzw. Volierenhygiene -> gerade Ziervögel verursachen viel Dreck und können zahlreiche Infektionserreger verbreiten, darunter auch für den Menschen gefährliche Erreger (Zoonosen) und allergieauslösenden Feinstaub

Kommt es gut alleine zurecht oder benötigt es menschliche / tierische Gesellschaft?

  • alle Ziervögel sind sehr soziale Tiere – viele von ihnen gewöhnen sich schnell und gern an den Menschen und akzeptieren ihn als sozialen Freund, kommunizieren und kuscheln sogar mit ihm
  • daher immer mind. als Paar anschaffen, viele bevorzugen sogar die Schwarmhaltung (Wellensittiche oder Zebrafinken) – meistens vertragen sie sich nur innerartlich und sollten daher nur unter sich bleiben
  • Einzelhaltung ist nicht artgerecht und als tierschutzwidrig anzusehen
  • Tiere verursachen schnell Dreck, Geräuschpegel in Wohnung steigt je nach Vogelart deutlich
  • Nicht für Allergiker geeignet! Ihr Kot, Federstaub oder der Speichel lösen bei allergischen Menschen schnell starke Symptome aus! -> vor der Anschaffung Test bei Allergologen
  • Vögel haben eine natürliche Scheu gegenüber Menschen, deshalb ist ein Vertrauensaufbau erforderlich, der Zeit benötigt

Pfote Tierschutzverein Dresden  Beschäftigung

Wie viel Zeit erfordert das Tier und wie lange kann das Tier alleine sein?

  • wer eine Beziehung zu seinen Vögeln möchte, sollte täglich mind. 2-3 Stunden Beschäftigungszeit einplanen – zum Vertrauensaufbau, zur Beschäftigung, um mit ihnen zu reden, sie fliegen zu lassen und zur Käfigreinigung
  • da Vögel immer mind. zu zweit gehalten werden sollen, können sie durchaus tagsüber alleine gelassen werden

In welchem Umfang ist eine Urlaubsbetreuung nötig?

  • eine tägliche Urlaubsbetreuung ist erforderlich, da Vögel täglich gefüttert werden müssen, das Wasser getauscht sowie der Käfig geputzt werden muss und die Tiere ihre Flugzeit brauchen

Wie viel Bewegung und Spielzeug braucht man?

  • der Käfig/die Voliere sollte groß genug sein, sodass die Vögel darin problemlos frei von Stange zu Stange flattern können, sowie genug Beschäftigungs-, Kletter- und Versteckmöglichkeiten bieten – eine große Zimmervoliere bietet hier die ideale Unterbringung
  • zusätzlich sollten die Vögel die Möglichkeit bekommen, sich jeden Tag mindestens 3 Stunden frei im Zimmer zu bewegen
  • außer den Fress- und Trinknäpfen sollte die komplette Volieren-Einrichtung sowie das Spielzeug aus Naturmaterialien bestehen – dazu gehören Schaukeln, Leitern, Seile, Äste, Korkröhren und auch Kokosnüsse als Versteck- oder Nistmöglichkeit
  • Spiegel und Plastikvögel sind absolut ungeeignet, da sie Artgenossen nur simulieren und keine soziale Reaktion zeigen – dies führt schnell zu ernsten Verhaltensstörungen

Pfote Tierschutzverein Dresden  Ernährung

Welche Nahrung ist gut für mein Tier?

  • Körnermischungen für die speziellen Ziervogelarten im Handel – doch fast alle Körnermischungen reichen als Alleinfuttermittel nicht aus, da sie nicht alle Nährstoffe beinhalten
  • gute Körnermischung besteht aus möglichst vielen verschiedenen Sämereien, reaktiv wenig fetthaltige Ölsaate – die Körnermischung muss frisch sein, da alte Saaten ihre Nährstoffe verlieren und so eine Mangelernährung begünstigen
  • zusätzlich, je nach Vogelart, Gemüse, Obst, frische Kräuter, Gräser und Grassamen – manche Vogelarten benötigen zusätzlich tierisches Protein, z.B. durch Eier oder Insekten
  • Mineraliensteine für Verdauung und Versorgung mit Mineralien zum knabbern und Schnabel wetzen
  • Ernährungsansprüchen der jeweiligen Vogelart beachten – ein sehr guter Wegweiser https://www.birds-online.de/wp/bo/ernaehrung

Welche Nahrung ist schlecht für mein Tier?

  • Ernährung ausschließlich mit einer handelsüblichen Körnermischung würde eine Mangelernährung auslösen und zu gesundheitlichen Problemen führen
  • Futtermischungen mit vielen bunten Bröckchen, zu viel gelbe Kolbenhirse und zu viele ölhaltige Saaten sind ungesund
  • jeder Vogelhalter muss sich im Vorfeld über geeignete Futtermittel informieren – nicht alle Gemüse- und Obstsorten sind bedenkenlos fütterbar

Pfote Tierschutzverein Dresden  Gesundheit

Wie häufig muss mein Tier zum Tierarzt und welche Kosten können entstehen?

  • vorweg: nicht jeder Tierarzt kennt sich gut genug mit Ziervögeln aus, da im allgemeinen Veterinärmedizin-Studium der Bereich Vogelmedizin nur unzureichend oder gar nicht vertreten ist
  • wende dich sich bitte immer, an einen vogelkundigen Tierarzt mit Zusatz-Spezialisierung “Fachtierarzt für Geflügel & Ziervögel“ oder Zusatzbezeichnung “Zier-, Zoo- und Wildvögel“ -> Erkennung über  Kürzel “VK“ vor dem Praxisnamen
  • vor Erwerb Untersuchung durch Tierarzt, um mögliche ansteckende Krankheiten abzuklären → besonders wichtig bei Vergesellschaftungen mit bereits vorhandenen Vögeln
  • einfache Behandlungskosten (Allgemeinuntersuchung) zwischen 20-50 € – Medikamente und Feindiagnostik (Röntgen, Kropf- und Kotuntersuchung) 100-300 €möglich

Was sind häufige Krankheiten und welche Auswirkungen haben diese? 

Erweiterte Übersicht der Vogelkrankheiten: https://www.tiermedizinportal.de/tierkrankheiten/vogelkrankheiten

Die Aspergillose ist eine Schimmelpilzerkrankung, welche anfangs die oberen Atemwege befällt und sich bei Fortschreiten der Krankheit auch auf die inneren Organe ausbreiten kann. Ausgelöst wird sie durch ein schwaches Immunsystem, Mangelernährung, mangelnde Hygiene (auch beim Futter) oder einer Antibiotika-Therapie, die die Darmflora angreift. Aspergillose kann bei frühzeitiger Erkennung mittels Antimykotika und einer Inhalationstherapie behandelt, aber niemals vollständig geheilt werden. Unbehandelt führt sie zum Tod. Eine Ansteckung bei Artgenossen oder Menschen kommt äußerst selten vor.

Das Federrupfen ist eine der häufigsten Erkrankungen bei Ziervögeln. Hierbei reißen sich die Vögel entweder selbst Federn aus oder ein Partnertier rupft die Federn aus, sodass die Haut darunter anfängt zu bluten. Dadurch können sich auch Erreger einnisten und zu Hautinfektionen führen. Die Ursachen für Federrupfen sind vielfältig und sollten immer von einem vogelkundigen Tierarzt abgeklärt werden. Dazu zählen starker Juckreiz durch Hautpilz, Ekzeme oder Parasiten (Federlinge), eine Lebererkrankung oder Fettgeschwülste (Lipome), eine schwere Zinkvergiftung (durch Beknabbern von verzinktem Metall) oder auch psychische Ursachen wie Einsamkeit durch Einzelhaltung, großer Stress oder ungünstige Paarhaltung (harmonieren nicht). Therapiert wird nach fachkundiger Diagnose – bei psychischer Ursache müssen die Haltungsbedingungen verbessert werden.

Die Psittakose ist eine hochansteckende, bakterielle Infektionserkrankung (Chlamydien), die von allen Ziervögeln auch auf den Menschen übertragbar ist (Zoonose). Da sie zu den Seuchenerkrankungen zählt, muss sie bei Auftreten dem zuständigen Veterinäramt und Gesundheitsamt gemeldet werden. Die Infektion betrifft alle Organe und der Erreger wird durch alle Körpersekrete ausgeschieden. Daher ist zwingend Hygiene einzuhalten! Psittakose tritt häufig bei Jungtieren auf und führt zu einer raschen Sterblichkeit. Die Symptome beim Vogel zeigen sich durch Mattheit, Aufplustern, Zittern und Durchfälle – beim Menschen treten grippeähnliche Symptome wie Gliederschmerzen, Fieberschübe, Kopfschmerzen, Reizhusten bis hin zur Lungenentzündung auf. Da viele Tiere nur Träger des Erregers sind, tritt die Erkrankung meist bei immunschwachen und vorerkrankten Tieren auf. Besteht der Verdacht auf Psittakose, müssen die Tiere umgehend von einem vogelkundigen Tierarzt untersucht und mit Antibiotika behandelt werden. Gleiches gilt für den Menschen: Umgehende Vorstellung beim Arzt mit sofortiger Behandlung, denn Psittakose kann auch für Menschen tödlich sein.

Die Schnabelräude ist ein parasitärer Befall mit Grab- oder Räudemilben, die sich bevorzugt in hornreichen Bereichen wie der Wachshaut über dem Schnabel ansiedeln. Unbehandelt breiten sich die wirtsspezifischen Milben auch über den ganzen Schnabel, die Augen bis hin zur Kloake und den Beinen aus, bilden starke Krusten und können die Nasenlöcher verstopfen sowie die Wachshaut komplett zerstören. Die porösen, borkigen Wucherungen können weißlich, gelblich oder gräulich verfärbt sein. Durch Stress, Mangelernährung, mangelnder Hygiene oder Erkrankungen kommt es zum Befall. Der vogelkundige Tierarzt bietet verschiedene Behandlungsmöglichkeiten: Zum einen sollten die Wachshaut sowie befallene Beine täglich mit etwas Paraffinöl bestrichen werden. Zum anderen können auch Spot-Ons für kleine Heimtiere genutzt werden. (Achtung: für kleine Heimtiere und Vögel gibt es spezielle Spot-Ons, die aber nicht bei jedem Tier bzw. jedem Vogel angewendet werden dürfen)

Die Legenot betrifft ausschließlich weibliche Tiere. Sie entsteht, wenn sich ein Ei im Legedarm oder der Kloake befindet, aber nicht richtig abgelegt werden kann. Die Tiere zeigen starkes Pressen, Schmerzen, Atemnot, einen geschwollenen Bauch, kalte Füße, breitbeiniges Sitzen oder auch blutigen Kot. Verantwortlich dafür ist eine unzureichende Beschaffenheit der Eihülle, Lähmungen im Legedarm oder der Kloake durch einen Mineralstoffmangel, Verletzungen, Infektionen oder Tumore im Legedarm sowie Übergewicht und Stress. Im schlimmsten Fall kann auch ein Vorfall (Prolaps) des Legedarms bzw. der Kloake entstehen, in dem die Kloake bzw. der Legedarm durch die Kloakenöffnung nach außen tritt – dies kann auch bei männlichen Tieren auftreten. Tritt eine Legenot bei der Henne auf, müssen Sie das Tier sofort zu einem vogelkundigen Tierarzt bringen! Dieser kann mittels spezieller Massage oder einem minimalen OP-Eingriff das Tier retten, denn ohne diese Maßnahmen kann die Henne innerhalb von 12 Stunden versterben! Bitte versuche nicht selbst, das Tier zu behandeln oder zu massieren, da das Ei im Legedarm dadurch schnell platzen und die Darmwand verletzen könnte.

Eine Kropfentzündung ist nie eine eigenständige Erkrankung, sondern immer ein Symptom! Die Ursachen dafür können sehr unterschiedlich sein – doch allen gemein ist eine starke Reizung des Kropfes. Mögliche Gründe sind z.B. Einzelhaltung (vermehrtes Futterhochwürgen, um “unechten Spiegel-Partner“ zu füttern), Fremdkörper im Kropf durch Beknabbern von Gegenständen, Gewürze von menschlichen Speisen, Vitamin-A-Mangel, ein Befall mit parasitären Trichomonaden oder bakterielle und Pilzinfektionen. Die Vögel können bei allen Grunderkrankungen die klassischen trockenen Körner kaum bei sich behalten und würgen diese immer wieder hoch, was die Reizung des Kropfes und der Schleimhaut zusätzlich verstärkt. Eine Kropfentzündung muss daher immer tierärztlich abgeklärt und mittels Kropfabstrich und Röntgen überprüft werden. Unterstützend ist feuchtes Quell- und Keimfutter sowie ein wenig säurearmes Obst zu empfehlen. Zusätzlich sollte man Birds Bene-Bac geben, um die Kropf- und Darmflora zu stabilisieren.

Welche Hygiene-Maßnahmen müssen ergriffen werden?

  • Wasser- und Futternäpfe täglich mit heißem Wasser gereinigen – 1 x monatlich mit kochendem Wasser, um Keime und Parasiten abzutöten
  • bei Krankheitsverdacht ist umgehend ein vogelkundiger Tierarzt aufzusuchen
  • Sitzstangen und Seile so platzieren, dass der Kot auf dem Boden und nicht auf den Sitzelementen landet
  • der Käfig- bzw. Volierenboden und die Stangen täglich gereinigt werden sowie der Vogelsand 2 wöchentlich gewechselt werden → bei Kropfentzündung bitte vorübergehend Küchenrolle als Einstreuersatz nutzen
  • 1x monatlich kompletter Käfig bzw. die Voliere gründlich mit kochendem Wasser reinigen bzw. mit geeignetem Desinfektionsmittel (bitte Tierarzt fragen) behandeln
  • Vögel baden gerne – Badehäuschen muss daher ebenfalls regelmäßig mit kochendem Wasser gereinigt werden

Wie muss mein Tier gepflegt werden?

  • Vögel benötigen ein ständiges Futterangebot und täglich frisch gereinigte und bestückte Näpfe
  • zur Gefiederpflege benötigen Vögel den Vogelsand sowie eine Bademöglichkeit
  • während der Mauser benötigen Vögel besonders viele Vitamine, Mineralien und Nährstoffe

Pfote Tierschutzverein Dresden  Kosten

Welche einmaligen und laufenden Kosten verursacht das Tier?

einmalige Kosten
Vogelab 20 €
je nach Herkunft, Art & Farbschlag
Voliere & Käfig
~ 100 – 800 €
Spielzeug~ 70 €
laufende Kosten
Futter bei Paarhaltung~ 15- 30 € / Monat
Tierarzt~ 20 – 300 € / Besuch + Medikamente + Diagnostik

Pfote Tierschutzverein Dresden  Nachwuchs

Wie häufig kann das Tier Nachwuchs erhalten?

  • Ziervögel sollten immer mind. als Paar gehalten werden, da sie sehr sozial und partnertreu sind → gilt besonders für Zwergpapageien wie den “Unzertrennlichen“
  • eine Gruppenhaltung oft sinnvoller, da sie so die Partnerwahl selbst bestimmen können (außer bei den “Unzertrennlichen“)
  • die meisten Ziervögel brüten nur bei entsprechendem Angebot von Brutplätzen bzw. Nistkästen → ist eine Brut nicht gewünscht, dürfen keine Brutplätze und Nistmöglichkeiten wie Holzhäuschen, Röhren oder Kokosnussschalen angeboten werden
  • die Brut-Häufigkeit variiert zwischen den verschiedenen Vogelarten

Wann und warum ist eine Sterilisation/Kastration sinnvoll und welchen Kosten entstehen?

  • entfällt bei Vögeln

Pfote Tierschutzverein Dresden  Irrtümer

Folgende Irrtümer sind weit verbreitet und sollten dir bekannt sein:

  • Vögel können wunderbar alleine gehalten werden – sie brauchen Gesellschaft -> Vögel sind sehr soziale Tiere, die immer mind. zu zweit gehalten werden müssen, sonst treten schnell ernsthafte Verhaltensstörungen und Erkrankungen auf
  • Vögel sind Alleinunterhalter. -> sie erfordern viel Arbeit für die artgerechte Versorgung, Pflege und Beschäftigung
  • Vögel singen so schön -> ja, aber sie können auch andere Geräusche machen (z.B. Meckern), das verursacht schnell störenden Lärm
  • Vögel brauchen in der Haltung nicht viel Platz -> Vögel sind äußerst bewegungsfreudige Flugtiere, die viel Platz benötigen! Eine große Zimmervoliere ist daher ideal