Man sagt gerne, dass Kaninchen optimale Haustiere sind. Allerdings ist dies – wie immer – nicht so einfach und stimmig. Kaninchen sind in ihrem Kern immer noch Wildtiere und müssen entsprechend behandelt werden, damit sie ein langes und gesundes Leben führen können. Dazu ein paar kurze Hinweise, weiterführende Informationen können sie sich auf den angefügten Links einholen.

  Haltungsbedingungen

Was muss bei der Umgebung und dem Umfeld für mein Tier beachtet werden?

  • zum Bewegen und Auszutoben benötigen Kaninchen (pro Tier) mindestens
    • 3m2in der Wohnung oder Außenhaltung
    • täglichen Auslauf – tagsüber und / oder nachts
  • optimale Umgebungstemperaturen: 15-18ºC
    • im Sommer: Frischluftzufuhr & Schatten
    • im Winter: können grundsätzlich draußen bleiben, aber der Bereich muss entsprechend wintertauglich gestaltet werden

Welche Besonderheiten gibt es beim Umgang mit einem Kaninchen? 

Kaninchen mögen es nicht gegriffen und auf den Arm genommen zu werden – streicheln sie diese alternativ auf dem Boden sitzend. Mit Futter und langsamem und ruhigem Vorgehen kann dies aber antrainiert werden.
Falls sie es hochheben wollen / müssen: mit einer Hand den Brustkorb von unten umfassen und mit der anderen Hand das Hinterteil und die Hinterläufe halten.

Kommt es gut alleine zurecht oder benötigt es menschliche / tierische Gesellschaft?

  • Kaninchen = Herdentiere benötigen mindestens einen Artgenossen
  • Menschen oder Tiere anderer Art (wie Meerschweinchen) können Bedürfnisse wie das gegenseitige Putzen niemals ersetzen
  • Kaninchen sind ansonsten für Familien gut geeignete Haustiere, allerdings nicht unbedingt für Kleinkinder geeignet. Gerade bei diesen muss der richtige Umgang und eine mögliche Futtergabe stets beaufsichtigt werden

  Beschäftigung

Wie viel Zeit erfordert das Tier und wie lange kann das Tier alleine sein?

  • Alter: bis zu 12 Jahre
  • Gewicht: je nach Rasse <1 – 10 kg
  • Auslauf: mindestens 5-6 Stunden, 24 Stunden wären ideal
  • täglich: Fütterung, Käfigreinigung & Hygiene, Streichelzeit
  • menschliche Gesellschaft ist nicht zwingend nötig, somit können Sie tagsüber oder auch nachts alleine gelassen werden (Achtung: Wohnung gegen Anknabbern absichern)

In welchem Umfang ist eine Urlaubsbetreuung nötig?

Idealerweise sollten Kaninchen nach Möglichkeit im Urlaub bei einer täglichen Versorgung in ihrer gewohnten Umgebung verbleiben.

Wie viel Bewegung und Spielzeug braucht man?

Die neugierigen und aufgeweckten Tiere benötigen einen ihr möglichst abwechslungsreich und interessant gestalteten Lebensraum.

  • zahlreiche Versteckmöglichkeiten und Aussichtspunkte: Röhren, Häuschen, Brücken aus Naturmaterialien wie Holz und Weiden
  • natürlicher Grabeinstinkt: Buddelkisten mit Erde oder Sand
  • Beschäftigung und Knabbern: größere, ungiftige und unbehandelte Äste (ungespritzte Ostbäume, Weide, Birke, Haselnuss)

  Ernährung

Welche Nahrung ist gut für mein Tier?

Kaninchen besitzen lebenslang nachwachsende Schneide- und Backenzähne, damit sie die rohfaserreiche Nahrung zerkleinern können. Für deren Abnutzung ist deshalb eine Ernährung angezeigt die eine lange Kauaktivität erforderlich macht.

Eine artgerechte Kaninchenfütterung setzt sich wie folgt zusammen:

  • dauerhaft verfügbar: Heu und sauberes Wasser (Näpfe oder Trinkflaschen)
  • Hauptfutter ist allerdings frisches blättriges Grün (Gemüsegrün oder artenreihe Wiese),
    dies sollte 3-4mal täglich nachgelegt werden
  • in kleine Mengen Gemüse zufütterbar, Obst nur als Leckerei
    (hoher Fruchtzuckergehalt schädlich, zu wenig Rohfasern)
  • Geeignetes Futter:
  • Blättriges Gemüsegrün, wie Sellerie, Möhrenkraut, Radieschen-, Mairüben-, Kohlrabi-, Blumenkohl- und Brokkoliblätter
  • Salate wie Chicorée, Radicchio, Friseé, Endivie, Romana, Löwenzahn, Rübstiel, Kopf-, Feldsalat
  • frische Küchenkräuter wie Dill, Petersilie, Koriander, Basilikum, Majoran, Oregano, Thymian, Rosmarin, Liebstöckl, Sauerampfer
  • Artenreiche Wiese, wie Löwenzahn, Schafgarbe, Klee, Wicke, Spitz- und Breitwegerich, Giersch, Wiesenbärenklau, Labkraut, Gänse- und Fünffingerkraut, verschiedene Süßgräser, Gänseblümchen
  • Außenhaltung im Winter: bei sehr starken Minustemperaturen kann man gelegentlich ein paar Sämereien, getrocknete Kräuter und ein paar Pellets geben, die nur aus Kräutern bzw. Wiesenpflanzen bestehen

Welche Nahrung ist schlecht für mein Tier?

Der Magen und Darm von Kaninchen ist so aufgebaut, dass ständig neues (Frisch-)Futter aufgenommen werden muss um den Weitertransport zu gewährleisten. Sonst entstehen Fehlgärungen und Aufgasungen. Sie benötigen somit ein permanentes Futterangebot.

Plötzliche Futterumstellungen sind zu vermeiden sind, die Tiere müssen erst an neues Futter gewöhnt werden.

Kaninchen können Kohlenhydrate aus Getreide nicht gut verdauen. Deshalb sind Trockenfutter, zu viele Trockenkräuter, getrocknetes Brot oder Knabberstangen zu vermeiden.

  Gesundheit

Wie häufig muss mein Tier zum Tierarzt und welche Kosten können entstehen?

  • Impfen: 2 Mal pro Jahr (~ 50 €)
  • Kastration (gut 100 €)
  • Krallen schneiden: aller 3 bis 12 Wochen (~ 5 bis 10 € pro Besuch)

Was sind häufige Krankheiten und welche Auswirkungen haben diese?

Die Myxomatose befällt und vermehrt sich in den Lymphknoten, der Milz, Lunge und Haut. Sie macht sich entweder durch massiven Schwellungen oder knotige Verdickungen in der Haut/ Unterhaut entstehen. Sie führt durch allgemeine Entkräftigung innerhalb von einigen Tagen bis Wochen zum Tode. Eine Impfung erfolgt im Alter von vier bis sieben Wochen, anfangs ist eine Auffrischungsimpfung nach vier Wochen angezeigt, spätere Wiederholungen aller sechs bis zwölf Monate.

Von der Rabbit Haemorragic Disease (RHD) sind ebenfalls zwei Formen bekannt. Sie kann bereits bei sehr jungen Tieren auftreten und ein Überleben ist möglich. Die Viren vermehren sich in verschiedenen Organen, vor allem der Leber. Durch den akuten Verlauf werden die Tiere „plötzlich“ tot aufgefunden. Eine Impfung hängt vom Impfstatus der Mutter ab und sollte ab sechs bzw. zwölf Wochen erfolgen Wiederholungsimpfungen sind aller sechs bis zwölf Monate angezeigt.

Sehr häufig sind Zahnerkrankungen. Dafür können, neben angeborenen Fehlstellungen, auch eine dauerhaft fehlerhafte Fütterung ursächlich sein. Eine Behandlung beim Tierarzt kann lebenslang erforderlich sein, so sonst dass schwere Infektionen entstehen können.

Häufig sind bakteriell bedingte Atemwegserkrankungen, Viele Tiere sind mit Pasteurellen infiziert, eine Erkrankung bricht meist nur durch eine Schwächung des Immunsystems aus. Eine Behandlung mit Antibiotika ist möglich, eine Chronifizierung jedoch wahrscheinlich.

Kaninchen neigen auch zur Bildung von Gries oder Steinen in Nieren/ Harnblase. Dies kann durch eine übermäßige Fütterung mit besonders kalziumhaltigem Futter begünstigt werden. Sie führen zu Harnabsatzstörungen, erkennbar durch eine Urinverschmierung.

Bei unkastrierten Häsinen kommt es im Lebensverlauf häufig zu Krankheiten der Gebärmutter. Es können auch Metastasen in der Lunge entstehen, welche zu Gewichts- und Konditionsverlust führen.

Eine weitere Krankheit ist eine Encephalitozoonose. Diese wird durch Parasiten ausgelöst, die vor allem das zentrale Nervensystem,die Nieren und Augen befällt. Eine Infektion kann lange verborgen bleiben eine Symptombehandlung ist meist gut möglich.

Welche Hygiene-Maßnahmen müssen ergriffen werden?

  • Urin- und Kotecken müssen täglich gereinigt werden.
  • Die Grundreinigung des Stalles bzw. Geheges sollte wöchentlich erfolgen.
  • Trink- und Futtergefäße werden mit Wasser abgekocht.
  • Ställe und Gehege sollten nur dann mit Desinfektionsmitteln gereinigt werden, wenn ein Parasitenbefall vorliegt bzw. vermutet wird
  • Schutz von Ställen und Vorräten vor krankheitsübertragenden Schädlingen (Fliegen, Mücken, Ratten, Mäusen) 

Wie muss mein Tier gepflegt werden?

Üblicherweise pflegen sich Kaninchen ausreichend selbst bzw. gegenseitig. Folgendes sollte dennoch beachtet werden:

  • Die Fellpflege muss bei Kaninchen immer vom Menschen zusätzlich mit übernommen werden, da sie sonst beim Fellwechsel zu viele Haare verschlucken.
  • Zähne: monatliche Kontrolle (abhängig von der Ernährung)
  • Krallen: aller 3 bis 12 Wochen schneiden
  • Insbesondere Langhaarkaninchen: täglich mit langzinkigem Kamm kämmen

  Kosten

einmalige Kosten
Kaninchen> 30 € bei Zoohandlungen
50 – 70 € im Tierheim
Transportbox, Gehege, Heuraufe, Futternapf & standsicherer Trinknapf, mindestens ein Rückzugshäuschen pro Tier, Buddelkiste, Tunnel und Versteckmöglichkeiten, Toilette~ 500 €
Kastration~ 100 €
laufende Kosten
frisches Heu, Frischfutter wie Gemüsegrün und (etwas) Obst, Knabbereien wie Zweige und Nagersteine (je nachdem was ihr selbst pflückt)~ 50 – 200 € / Monat
Einstreu~ 15 € / Monat
Tierarzt~ 200 € / Jahr

  Nachwuchs

Wie häufig kann das Tier Nachwuchs erhalten?

  • Häsinnen ab der 13. Woche geschlechtsreif, Männchen nach ca. 11 Wochen
  • Hinweise auf Trächtigkeit: Nestbau, Durchwühlen des Käfigs und Rückzug / Scheu
  • Tragzeit: 28 bis 35 Tagen
  • Nachwuchs
    • anfangs nackt, taub, blind und gänzlich von ihrer Mutter abhängig
    • nach einigen Tagen Fellwachstum, offene Augen und Erkundung der Umwelt
    • ab der 2. Woche mitessen am Futter der Erwachsenen
    • nach Geschlechtsreife Trennung von Mutter möglich – getrennt nach Geschlechtern
  • Kaninchen können selbst während einer Schwangerschaft erneut befruchtet werden – also Vorsicht, wegen der Regenerationszeit werden max. 2 Würfe pro Jahr empfohlen – aber:
  • es besteht keine Notwendigkeit für einen Wurf 

Wann und warum ist eine Sterilisation/Kastration sinnvoll und welchen Kosten entstehen?

  • Rammler
    • mit 12 Wochen geschlechtsreif -> heftigen Rangordnungskämpfen mit erheblichen Verletzungen, Aggressionen können auch nach Kastration erhalten bleiben
    • frühzeitige Kastration: 8 bis 10 Wochen 
  • Häsinnen
    • Kastration = wichtige Gesundheitsprophylaxe
    • durch hormonellen Einfluss sehr häufig Tumore an der Gebärmutter und dem Gesäuge -> daher frühzeitige Kastration empfehlenswert
    • Kastrierte Häsinnen weniger aggressiv gegenüber Artgenossen und Menschen

  Irrtümer

Die 7 größten Irrtümer in der Kaninchenhaltung (laut B.Z.)

  1. Kaninchen sind anspruchslos, kosten nicht viel Geld 
    -> gutes Futter kostet
  2. Wenn man ein zahmes Langohr möchte, sollte man es einzeln halten
    -> Gesellschaftstiere
  3. Nur die Rammler sollte man kastrieren
    -> Häsinnen können krank werden
  4. Hartes Brot ist gut für Langohren
    -> Getreide ist ungesund
  5. Kaninchen und Meerschweinchen sind ein Dream-Team
    -> sie harmonieren nicht
  6. Für Kinder sind Kaninchen ideal
    -> nur wenn Kinder Rücksicht nehmen
  7. Von Grünzeug bekommen Kaninchen Durchfall
    -> nur bei plötzlicher Futterumstellung

  weiterführende Information

Folgende Quellen kannst du nutzen, um noch mehr Informationen zur artgerechten Tierhaltung zu finden: