An den 10. April 2021 erinnern wir uns noch gut. Nach der langen Autofahrt von Dresden nach Bad Salzungen in Thüringen durften wir in einer Pflegestelle des dortigen Tierschutzvereins „Tierhilfe Bad Salzungen e.V. “ die damals 10-jährige Hundeomi Maja kennenlernen und noch an diesem Tag mitnehmen. Der Verein hatte die Mischlingshündin Maja im Januar 2021 aus schlechter Haltung gerettet. Tierarztpraxen hatten den Verein konsultiert.

Die Pflegemutti päppelte Maja auf und zeigte ihr, wie ein liebevolles Zuhause sein kann. Bei Aufnahme hatte die kleine, beige Hündin verfilztes Fell, entzündete, teils haarlose Hautstellen, roch unangenehm und war infolge der Verwahrlosung sehr schwach. Aufgrund falscher Ernährung und mangelnder Pflege hatte Maja eine starke Allergie ausgebildet. Zudem wurde eine Augen- und Ohren-OP nötig. Zusätzlich zu den Tierarztbesuchen kümmerte sich der Verein um eine Futterumstellung auf hochwertiges Nassfutter und die richtige Pflege. Maja blühte zusehends auf und fasste Vertrauen zu ihrer Pflegemutti.

Nach Wochen intensiver Betreuung konnte Maja – theoretisch – in ein neues, tiergerechtes Zuhause vermittelt werden. Da die Vermittlung von Hunden aus Tierschutzvereinen und Tierheimen aber bereits ab einem Lebensalter von 5 Jahren als schwierig gilt, vor allem wenn Vorerkrankungen vorliegen, suchte der Verein außer einem neuen Zuhause zunächst auch nach Patenschaften und Spenden über längere Zeiträume.

Wir entdeckten Maja Anfang April 2021 in einer Anzeige des Vereins im Internet und waren sofort begeistert. Wir wünschten uns schon länger einen Hund, der uns auf Ausflügen und im Urlaub begleitet, unseren Alltag bereichert, der zu uns gehört und an unserer Seite ist. Darüber hinaus wollten wir gern einem Tierschutzhund ein möglichst schönes, neues Heim bieten. Majas Alter von 10 Jahren ließ uns nur kurz zögern. Sicher würde somit die gemeinsame Zeit begrenzt sein und höchstwahrscheinlich würden wir in Kürze mit (recht hohen) Tierarztkosten konfrontiert werden. Dennoch entschieden wir uns für diese Hundeseniorin. Wir waren sicher, dass Maja zu uns passen würde und wollten sie kennenlernen.

Nach einem ausführlichen Telefonat mit der Pflegestelle vereinbarten wir also einen Termin mit der Aussicht, dass wenn alles gut verlief, dies ebenfalls der Abholtermin sein könnte. So war es dann glücklicherweise und wir bekamen mit Maja gleich diverse Ausstattungsgegenstände mit: Hundekörbchen, Decken, Pflegeprodukte, Futternäpfe, Spielsachen sowie Medikamente und Spezialfutter. Damit die Autofahrt für die Hundeomi nicht zu lang war, machten wir Zwischenstation in Jena und übernachteten dort bei der Familie. (Heute, nach reichlicher Eingewöhnung, haben wir festgestellt, dass längere Autofahrten für Maja unproblematisch sind – regelmäßige Pausen natürlich vorausgesetzt.)

Der Abschied fiel der Pflegemutti und Maja schwer. Maja wirkte anfänglich resigniert, so als würde sie ihr weiteres Schicksal nur noch über sich ergehen lassen. Die Pflegestelle war sicher das erste Zuhause gewesen, in dem es ihr gut ging. Nun musste sie sich wieder in einer neuen Umgebung zurechtfinden und auf neue Bezugspersonen einstellen. Doch trotz ihres fortgeschrittenen Alters schaffte sie das erstaunlich schnell. Bereits nach einem Monat hatten wir das Gefühl, dass sie langsam bei uns ankam. Und auch wir lernten sie immer besser kennen, wurden immer mehr zu einem eingespielten Team.

Inzwischen ist Maja seit über einem Jahr bei uns und 11,5 Jahre alt. Wir unternehmen mit ihr Ausflüge und Reisen (dieses Jahr ging es sogar bis nach Schweden!), was sie sichtlich genießt. Je nach Tagesform und Wetter sind lange Spaziergänge an der Elbe oder im Prießnitzgrund möglich. Die größte Freude kommt beim Ballspielen und beim Schwimmen auf. Dann merkt man Maja ihr Alter kein bisschen an, sie rennt, spielt und schwimmt fast wie ein junger Hund. Natürlich sind die anschließenden Erholungspausen ausgiebig und lang. Auf einen actionreichen Tag folgen üblicherweise zwei, drei sehr ruhige Tage, die hauptsächlich verschlafen werden. Anfänglich hatten aber weder der Verein noch wir gedacht, wie viel Energie noch in der Hundeomi steckt. Nach der ersten Päppel-Phase in der Pflegestelle ist Maja im Laufe der Zeit bei uns kräftiger geworden, hat (im gesunden Rahmen) noch etwas an Gewicht zugelegt und ihr Fell ist dichter und glänzender geworden. Darauf sind wir natürlich stolz!

Selbstverständlich lassen sich weder ihr fortgeschrittenes Alter noch die Folgen der schlechten Haltung bei den Vorbesitzer*innen wegzaubern. Einige ihrer „Baustellen“ sind bleibend. In erster Linie hat Maja immer wieder mit ihrer Hausstaubmilben- und Futtermilbenallergie zu kämpfen, letztere vermutlich verursacht durch mangelhafte Ernährung im früheren Zuhause. Die Allergie wirkt sich auf Ohren, Augen, die Verdauung, Haut und Fell aus. Die Tierarztbesuche mit Maja waren von Anfang an häufig. Gleich zu Beginn wurde uns von unseren Tierärztinnen zusätzlich auch eine Physiotherapie empfohlen, zur Behandlung von Majas leichter Hüftproblematik und zum gezielten Muskelaufbau. Wir lernten dabei einiges, z-B. Übungen, die Maja gut tun und wie wir sie richtig hochheben bzw. tragen sollen. Im August 2021 mussten wir eine altersbedingte OP durchführen lassen: die Entfernung der Mamma-Leiste.

Auch in Majas Verhalten spiegelt sich die schwierige Vergangenheit teilweise wieder. Gegenüber Menschen, die sie nicht, oder noch nicht lange genug kennt, verhält sie sich eher unsicher und ängstlich. Streicheln ist dann nicht erlaubt, auch wenn sie noch so klein und niedlich ist. Auf andere Hunde reagiert sie ambivalent, dabei sind die jeweiligen Auslöser für wohlwollendes oder aggressives Verhalten manchmal für uns nicht ersichtlich. Bei uns als ihren Vertrauenspersonen zeigt sie hingegen ihr Bedürfnis nach Ruhe, Geborgenheit und Sicherheit. Es kann dann nicht oft genug gekuschelt werden.

Wir haben, trotz all der Herausforderungen, nie bereut, Maja zu uns geholt zu haben. Im Gegenteil, sie ist etwas ganz Besonderes für uns und gibt einfach so viel Freude zurück. Unübertroffen ist z.B. ihr Freudentänzchen, wenn man nach Hause kommt. Und es ist toll zu sehen, wie viel Lebensfreude und -energie in einem älteren Hund noch steckt, wenn man sich Zeit nimmt und dem Hund Gutes tut. Somit genießen wir die gemeinsame Zeit, die wir mit Maja haben – hoffentlich noch viele weitere Jahre!