Haltungsbedingungen

Was muss bei der Umgebung und dem Umfeld für mein Tier beachtet werden?

Das natürliche Revier ist größer als die Wohnung. Trotz dieser Begrenzung können Katzen sich wohl fühlen:

  • (gesicherter) Freigang bzw. Freigang in verkehrsberuhigten Gegend oder durch einen vernetzten Balkon
  • Zugang mit Rückzugsmöglichkeiten zu einer 3. Dimension
    • deckenhoher Kratzbaum in zentraler Lage
    • Nutzung vorhandener Möbel, wie Regale, Kommoden, Kleiderschränke oder Fensterbänke
    • Mehrkatzenhaushalt: jeder erhöhter Platz über zwei Wege zugänglich für „Fluchtweg“
  • Zugang zu allen Räumen, „Tabuzonen“ schränken die Katze noch mehr ein und können zu Frust sowie zu Verhaltensauffälligkeiten (z. B. kratzen an Wänden) führen

Kommt es gut alleine zurecht oder benötigt es menschliche / tierische Gesellschaft?

Ob Katzen alleine gehalten werden oder tierische bzw. menschliche Gesellschaft benötigen, ist aber immer abhängig vom Einzelfall. Sie bilden unterschiedliche Sozialsysteme – von einzelgängerisch bis sehr sozial.

  • Kitten sollten frühestens ab der 12. Woche von der Mutter getrennt werden, um ausreichend sozialisiert zu werden, und keinesfalls alleine aufwachsen -> ein Mensch kann den Kontakt mit Artgenossen nicht ersetzen
  • bei lang alleinlebende Katzen ist die Zusammenführung mit einer anderen Katze schwieriger, aber keinesfalls unmöglich
  • menschliche Sozialkontakte
    • innige Bindung oder Dosenöffner ohne Körperkontakt – das Wohlbefinden der Katze sollte unbedingt respektiert werden

  Beschäftigung

Wie viel Zeit erfordert das Tier und wie lange kann das Tier alleine sein? Wie viel Bewegung und Spielzeug braucht man?

Katzen sind im Vergleich zu anderen Haustieren relativ selbständig:

  • rechtzeitige und ausreichende Fütterung
  • Bereitstellen und Reinigung der Katzenklos
  • mehrere kurze Spieleinheiten von jeweils 5 bis 10 Minuten am Tag – abhängig von ihrem Alter und Temperament
    • Jagd- und Erkundungsspiele
      • Spielbeute in Größe eines Beutetiers hat (z. B. Maus), Katzenangeln oder Federwedel je nach Vorliebe der Katze
    • Futterbeschäftigungen (verstecken und werfen von Futter, Fummelbretter)
    • Clickertraining

Wie lange eine Katze alleine bleiben kann, ist also pauschal nicht zu beantworten und immer abhängig vom Einzelfall. Oft ist ein normaler Arbeitstag des Menschen ohne Trennungsstress problemlos möglich.

In welchem Umfang ist eine Urlaubsbetreuung nötig?

Die Urlaubsbetreuung ist unbedingt erforderlich, mindestens zur Futtergabe und Reinigung der Katzenklos. Um Stress zu vermeiden, ist ein Katzensitter der Tierpension vorzuziehen.

  Ernährung

Welche Nahrung ist gut für mein Tier?

  • Fleischfresser, die Flüssigkeitsbedarfs überwiegend mit Nahrung decken
    • überwiegend Nassfutter mit mindestens 70% Fleischanteil
  • natürlicher Rhythmus: ganztägig kleine Portionen
  • Trinkstelle (Gießkanne, Blumenvasen, flache und höhere Schalen, Trinkbrunnen) und Futternäpfe mit mindestens 2 Metern Abstand

Welche Nahrung ist schlecht für mein Tier?

  • höhere Mengen an Kohlenhydrate schlecht verdaubar
    -> (vorwiegend) getreidefreies Futter
  • Trockenfutter nur als Futterbeschäftigungen (z. B. Futterverstecke oder Fummelbretter), da Nassfutter den Flüssigkeitsbedarf mit abdeckt und so Blasen- und Nierenerkrankungen vorbeugt

  Gesundheit

Welche Hygiene-Maßnahmen müssen ergriffen werden?

Kot und Urin müssen mehrmals täglich aus den Katzentoiletten entfernt werden. Futter- und Trinknäpfe sind ebenfalls täglich zu reinigen.

Wie muss mein Tier gepflegt werden?

Katzen pflegen sich üblicherweise selbst. Ihre Fellpflege kann jedoch durch regelmäßiges Bürsten unterstützt werden, insbesondere bei Langhaarkatzen.

Was sind häufige Krankheiten und welche Auswirkungen haben diese? 

  • Wurmbefall, Nieren- oder Harnwegserkrankungen, Schilddrüsenüberfunktion, Zahnerkrankungen (z. B. FORL) oder verschiedene Infektionskrankheiten (z. B. Katzenschnupfen)
  • Fressverhalten, Verhaltensauffälligkeiten (z. B. Unsauberkeit durch Harnwegserkrankung, Aggression wegen Schmerzen)

Die häufigsten Katzenkrankheiten sind unter folgenden Links zusammengefasst:

Wie häufig muss mein Tier zum Tierarzt und welche Kosten können entstehen?

  • offensichtliche Verletzungen, verändertes Fressverhalten, Gewichtsverlust, häufiges Erbrechen, Durchfall oder Verstopfungen, aber auch erhöhtes Trinkverhalten oder vermehrtes Urinieren
  • regelmäßig beobachten, Zähne und Fellzustand (Anzeichen: struppig oder glanzlos) kontrollieren
  • jährliche Routinecheck wichtig, aber Stress für Katzen, auf welchen sie vorbereitet werden sollten
    • dauerhaft mit der Transportbox vertraut gemacht werden
    • Tierarzttraining: Anregungen bei „Christine Hauschild: Tierarzttraining für Katzen – Einfühlsam und spielerisch zu mehr Gelassenheit“

Die Kosten für eine Behandlung beim Tierarzt sind in der Gebührenordnung der Tierärzte (GOT) geregelt: www.bundestieraerztekammer.de/tierhalter/got/

  Kosten

einmalige Kosten
KatzeTierheim ~ 70 € bis 200 € (Schutzgebühr)
Züchter ~ 400 € bis 1.500 € (je nach Rasse)
Transportbox, Katzenklos, Fress- und Trinknäpfe, Kratzbaum, Spielzeug~ 200 €
Kastration~ 80 (Kater)
~ 130 € (Kätzin)
laufende Kosten
Katzenstreu, Futter~ 30 € / Monat
(variiert nach Qualität)

  Nachwuchs

Wie häufig kann das Tier Nachwuchs erhalten?

  • weibliche unkastrierte Katzen
    • 2 bis 4 im Jahr rollig = paarungsbereit
    • meist April und September
    • ~ 4 bis 6 Junge

Wann und warum ist eine Sterilisation/Kastration sinnvoll und welchen Kosten entstehen?

  • Kastration: üblich im Alter von 6 bis 8 Monaten
  • bei unkastrierten Kätzinnen in reiner Wohnungshaltung Dauerrolligkeit (Katze nicht gedeckt & Eisprung nicht ausgelöst)
    -> Eierstockzysten & erhöhtes Risiko für Gebärmutter-Erkrankungen 
  • Trächtigkeit und Jungenaufzucht für Kätzinnen sehr anstrengend
  • unkastrierten Kater führen ein risikoreicheres Leben (größere Territorien, recht harte und mit erheblichen Verletzungen verbunde Katerkämpfe) und markieren wesentlich mehr mit Harn (führt zu Spannungen im Mehrkatzenhaushalt)
  • zur Eindämmung des Elends freilebender und herrenloser Katzen: stetig erhöhende Anzahl von Katzen durch frühe und häufige Fortpflanzung, welche in freier Wildbahn nur schwer überlebensfähig und häufig von Mangelernährung, Verletzungen und Infektionskrankheiten geplagt sind  

  Irrtümer

Folgende Irrtümer sind weit verbreitet und sollten dir bekannt sein:

„Katzen sind pflegeleicht. Sie schlafen ohnehin den ganzen Tag.“
Katzen schlafen 14 bis 16 Stunden/Tag. Um Verhaltensauffälligkeiten, chronische Langeweile und Depressionen zu vermeiden, sollten die Wachstunden neben dem Fressen und Putzen mit kuscheln, beobachten sowie Jagd- und Erkundungsspiele verbracht werden.

„Katzen sind Einzelgänger.“
Katzen bilden unterschiedliche Sozialsysteme – von einzelgängerisch bis sehr sozial. Die individuellen Bedürfnisse sind herauszufinden und eine Vergesellschaftung mit einer anderen Katze durchdacht anzugehen.

„Katzen sind falsch. Zuerst schnurren sie einem um die Beine, um im nächsten Moment ohne Vorwarnung zuhauen zu können.“
Aus Katzensicht würde die Beschreibung dieser Situation sicherlich etwas anders klingen. Sie zeigen uns durch Ihre Körpersprache sehr wohl ihre Stimmung (Stellung der Ohren und Schnurrhaare, Bewegungen des Schwanzes etc.).

 „Meine Katze pinkelt aus Protest neben das Klo.“
Wenn eine Katze das ihr zur Verfügung gestellte Klo nicht nutzt, hat das nichts mit unterstellten (menschlichen) Motivationen zu tun.  Dafür sucht sie sich einen Ort, der ihren Bedürfnissen entspricht – und das völlig wertfrei. Es gilt vielmehr, den Grund für die Unsauberkeit herauszufinden und daran zu arbeiten.

  weiterführende Information

Katzen besser verstehen – unser zertifiziertes Vorstandsmitglied Romy Donath unterstützt Sie mit ihrem Wissen zum Katzenverhalten und der Katzenpsychologie: https://katzenbesserverstehen4.webnode.com

Folgende Quellen kannst du nutzen, um noch mehr Informationen zur artgerechten Tierhaltung zu finden: